Montag, 2. Juli 2012

Mi, 06.06. - Fr, 08.06.


Nach meinem schönen langen Wochenende startete nun eine kurze Woche auf Arbeit. 

Endlich sollten die Blutproben ankommen. Maiwenn und ich trafen uns am Mittwoch im Labor der medizinischen Fakultät (Royal Infirmary). Dazu kam dann noch Rachel, eine schottische Biologiestudentin am Ende des 2. Semesters, die mir einen Monat im Labor helfen sollte.

Maiwenn, die mittlerweile Hochschwanger ist und eigentlich schon letzte Woche Donnerstag ihren letzten Arbeitstag hatte, zeigt Rachel wie man mit den ganzen Reagenzien umgehen musste und wie man einen PCRmix herstellt (alles das, was ich schon die letzten Wochen gemacht habe) und dann bereiteten wir alles für die die Blutprobe vor… wie es aber so kommen musste, war dann doch keine Blutprobe da, da es Komplikationen bei der Blutabnahme gab. :-( Das war echt doof. Vor allem für Maiwenn, weil sie eigentlich nicht noch mal ins Labor gehen wollte. Aber sie musste uns die Blut-Plasma-Separation wenigstens einmal zeigen, bevor wir uns selbst dran versuchen.

Also starteten wir einen neuen Versuch am Donnerstag. Und tatsächlich kam eine Blutprobe an. :-)
Der Mikrochip funktionierte super und verstopfte nicht. Da die Kanäle dünner als ein Haar sind, kann es schnell dazu kommen, dass der Chip verstopft und dann ist es eine ganz schöne Arbeit, den Chip wieder zum Laufen zu bringen. Am besten ist es, wenn man den Chip wegschmeißt und einen neuen verwendet, aber selbst das dauert eine ganze Weile, weil man den Chip wieder auf dem Träger montieren und die ganze Einstellung unter dem Mikroskop erneut vornehmen muss. Aber wie gesagt, an diesem Tag hatten wir Glück.

Schema des Blut-Plasma.Separations-Mikrochips
Lab Chip, 2010,10, 1587-1595
 

Ein Teil des Blutes separierten wir also mit dem Chip und den anderen Teil mit einer gewöhnlichen Zentrifuge. Von dem resultierenden Plasma haben wir die Hälfte gereinigt, weil sich immer noch rote Blutzellen drin befinden. Dafür verwendet man ein Purifikation-Kit und schüttet einige Chemikalien mit dem Plasma zusammen, zentrifugiert das Ganze einige Male und dann soll am Ende pure DNA in dem verbleibenden Lösungsmittel bleiben. Kaum zu glauben…

Die unterschiedlichen Arten von Plasma werden dann jeweils zu den angefertigten PCRmix hinzugefügt, für 3 Stunden in den Thermocycler gesteckt und dann kommt das Endprodukt (hoffentlich ganz viel verstäkte DNA) in das Gel und nach weiteren 45min hat man dann endlich das Ergebnis.

Und wie wir feststellen mussten, war der optimierte PCRmix, den ich die Wochen vorher erprobt habe zwar sehr gut für die idealen DNA-Proben, aber nicht für unsere echten Plasma-Proben. :-( Also begann die Suche nach der richigen Konzentration der einzelnen Bestandteile wieder von vorne…

Jedenfalls wussten wir jetzt wie alles funktioniert und Maiwenn konnte dann endlich 1,5 Wochen vor dem Geburtstermin anfangen zuhause was für das Baby vorzubereiten.

Am Donnerstagnachmittag spürte ich dann auf einmal Schmerzen im unteren Bauch- und Rückenbereich, die dann auch zum Abend hin immer schlimmer wurden. Ich konnte mir aber nicht erklären was das war und wickelte mir wie eine Bauchtänzerin einen Schal um den Bauch, um ihn warm zu halten. ;-)

Am Freitagmorgen habe ich mich dann wieder mit Rachel im Labor getroffen, aber natürlich kam keine Blutprobe. Aber wir hatten ja jetzt wieder die große Aufgabe der PCR-Optimierung und damit ist man ja auch den ganzen Tag beschäftigt. 

Am Nachmittag kamen dann die Schmerzen wieder…und auf dem Rückweg nach Hause waren die Schmerzen so unerträglich, dass es mir schon schwarz vor den Augen wurde. Also raus aus dem Bus und zurück ins Krankenhaus… Ich ärgerte mich, dass ich nicht gleich nach der Arbeit hin bin…wenn man schon mal da arbeitet…aber eigentlich vermeide ich es ja, wegen jeder Kleinigkeit zum Arzt zu rennen…aber nun war es leider keine Kleinigkeit mehr.

Dort angekommen wurde ich erstmal unfreundlich drauf hingewiesen, dass ich doch bitte zu meinem Hausarzt gehen soll, solange dieser noch auf hat (hatte er aber nach der Arbeit nicht mehr). Da unterscheidet es sich hier also nicht viel deutschen Krankenhäusern. Ich bekam ein Armband mit Strichcode und durfte auf eine weitere Behandlung warten.



 
Ganz überraschend kam ich dann auch ganz schnell dran. Aber die Krankenhäuser unterscheiden sich optisch von den Deutschen. Hier gibt es in der Notaufnahme keine einzelnen Räume sondern nur Vorhänge, die einzelne Räume abgrenzen. Und hinter jedem Vorhang liegt ein mehr oder weniger schwerwiegender Fall. Ich durfte auf dem Flur sitzen bleiben…also eher weinger schwerwiegend. 
Ich erklärte den Arzt, dass ich ganz schlimme Schmerzen im unteren bis mittleren Rückenbereich habe und fragte ihn, ob es evtl. die Nieren sein könnten. Er antworte nichts darauf und maß erst mal Blutdruck. Dann sollte ich noch eine Urinprobe abgeben und dann durfte ich wieder in den Wartebereich auf dem großen Flur. Hm…komische Ärzte…Reden können die wahrscheinlich nicht. Also warte ich auf das Ergebnis des Schnelltests. Mir wurde dann ein Zettel in die Hand gedrückt und ich sollte einem Pfleger folgen. Ich schaute schnell auf das Blatt und las, dass nichts gefunden wurde.

Als ich meinen Blick wieder nach oben richtete, war ich in der orthopädischen Abteilung angekommen…das sollte doch jetzt ein Witz sein??? Ich habe innerlich Schmerzen, die ganz gewiss nicht von den Muskeln, Knochen oder eingeklemmten Nerven kommen und werde ohne richtige Untersuchung in die Orthopädie gebracht…Unglaublich!

Dort habe ich dann noch mit einer Ärztin gesprochen und ihr erklärt, dass es sich um eine andere Art von Schmerzen handelt. Diese schaute mich dann an und meinte: „Am besten gebe ich dir ganz starke Schmerzmittel und Antibiotika, das wird schon helfen“. Schon wieder war ich geschockt. Innerhalb von 2 Wochen bekomme ich 2-mal Antibiotika. Und wieder wurde ich nicht wirklich untersucht. :-( Da fragt man sich doch echt wofür die Leute hier Medizin studieren. 

Naja, immerhin wollte sie den Urin noch mal in ein richtiges Labor schicken und ich sollte mir dann in der nächsten Woche die Werte bei meinem „Hausarzt“ abholen.

Ich schleppte mich also wieder zum Bus. Zum Glück bekam ich einen schnellen Bus, der nur 30min zu mir braucht. Mit den anderen bräuchte ich 1,5 Stunden. Im Bus angekommen nahm ich erst mal 2 Schmerztabletten...ich konnte schon nicht mehr Stehen und Sitzen, so schlimm waren die Schmerzen. Mit geschlossenen Augen machte ich mich auf dem Weg nach Hause. Aber da der Tag noch nicht zu Ende war und immer für kleine Überraschungen gut ist, konnte mein Bus schon nach kurzer Zeit nicht mehr weiterfahren… Es gab auf einmal einen ganz lauten Knall und als ich mich umschaute, sah ich, dass eine der Fensterscheiben des Busses kaputt war… Jugendliche haben von außen Steine gegen den fahrenden Bus geschmissen!! Super!!!


Ich saß zum Glück auf der anderen Seite, denn der Stein ist sogar durch die Scheibe durchgekommen. Da hätte ich nicht meinen Kopf haben wollen.

Ich konnte es nicht glauben...so viel Pech an einem Tag…ich wollte nur nach Hause in mein Bett und musste jetzt über 30min auf einen anderen Bus warten, weil meiner nicht mehr fahren konnte. Aber immerhin kam ein anderer Bus und ich war nicht ganz in der Pampa verloren.

Irgendwann erreichte ich dann also doch noch mein Zimmer…ab ins Bett und hoffen, dass die Tabletten wirken. Der Tag musste ganz schnell vorbei gehen, bevor noch irgendwas Komisches passieren konnte.

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