Nach meinem schönen langen Wochenende startete nun eine
kurze Woche auf Arbeit.
Endlich sollten die Blutproben ankommen. Maiwenn und
ich trafen uns am Mittwoch im Labor der medizinischen Fakultät (Royal
Infirmary). Dazu kam dann noch Rachel, eine schottische Biologiestudentin am
Ende des 2. Semesters, die mir einen Monat im Labor helfen sollte.
Maiwenn, die mittlerweile Hochschwanger ist und eigentlich
schon letzte Woche Donnerstag ihren letzten Arbeitstag hatte, zeigt Rachel wie
man mit den ganzen Reagenzien umgehen musste und wie man einen PCRmix herstellt
(alles das, was ich schon die letzten Wochen gemacht habe) und dann bereiteten
wir alles für die die Blutprobe vor… wie es aber so kommen musste, war dann
doch keine Blutprobe da, da es Komplikationen bei der Blutabnahme gab. :-( Das
war echt doof. Vor allem für Maiwenn, weil sie eigentlich nicht noch mal ins
Labor gehen wollte. Aber sie musste uns die Blut-Plasma-Separation wenigstens
einmal zeigen, bevor wir uns selbst dran versuchen.
Also starteten wir einen neuen Versuch am Donnerstag. Und
tatsächlich kam eine Blutprobe an. :-)
Der Mikrochip funktionierte super und verstopfte nicht. Da
die Kanäle dünner als ein Haar sind, kann es schnell dazu kommen, dass der
Chip verstopft und dann ist es eine ganz schöne Arbeit, den Chip wieder zum Laufen
zu bringen. Am besten ist es, wenn man den Chip wegschmeißt und einen neuen
verwendet, aber selbst das dauert eine ganze Weile, weil man den Chip wieder
auf dem Träger montieren und die ganze Einstellung unter dem Mikroskop
erneut vornehmen muss. Aber wie gesagt, an diesem Tag hatten wir Glück.
![]() | |||
| Schema des Blut-Plasma.Separations-Mikrochips
Lab Chip, 2010,10, 1587-1595
|
Ein Teil des Blutes separierten wir also mit dem Chip und den
anderen Teil mit einer gewöhnlichen Zentrifuge. Von dem resultierenden Plasma
haben wir die Hälfte gereinigt, weil sich immer noch rote Blutzellen drin
befinden. Dafür verwendet man ein Purifikation-Kit und schüttet einige
Chemikalien mit dem Plasma zusammen, zentrifugiert das Ganze einige Male und
dann soll am Ende pure DNA in dem verbleibenden Lösungsmittel bleiben. Kaum zu
glauben…
Die unterschiedlichen Arten von
Plasma werden dann jeweils zu den angefertigten PCRmix hinzugefügt, für 3 Stunden in den
Thermocycler gesteckt und dann kommt das Endprodukt (hoffentlich ganz viel
verstäkte DNA) in das Gel und nach weiteren 45min hat man dann endlich das
Ergebnis.
Und
wie wir feststellen mussten, war der optimierte PCRmix, den ich die Wochen
vorher erprobt habe zwar sehr gut für die idealen DNA-Proben, aber nicht für
unsere echten Plasma-Proben. :-( Also begann die Suche nach der richigen
Konzentration der einzelnen Bestandteile wieder von vorne…
Jedenfalls
wussten wir jetzt wie alles funktioniert und Maiwenn konnte dann endlich 1,5
Wochen vor dem Geburtstermin anfangen zuhause was für das Baby vorzubereiten.
Am
Donnerstagnachmittag spürte ich dann auf einmal Schmerzen im unteren Bauch- und
Rückenbereich, die dann auch zum Abend hin immer schlimmer wurden. Ich konnte
mir aber nicht erklären was das war und wickelte mir wie eine Bauchtänzerin
einen Schal um den Bauch, um ihn warm zu halten. ;-)
Am
Freitagmorgen habe ich mich dann wieder mit Rachel im Labor getroffen, aber
natürlich kam keine Blutprobe. Aber wir hatten ja jetzt wieder die große
Aufgabe der PCR-Optimierung und damit ist man ja auch den ganzen Tag
beschäftigt.
Am
Nachmittag kamen dann die Schmerzen wieder…und auf dem Rückweg nach Hause waren
die Schmerzen so unerträglich, dass es mir schon schwarz vor den Augen wurde.
Also raus aus dem Bus und zurück ins Krankenhaus… Ich ärgerte mich, dass ich
nicht gleich nach der Arbeit hin bin…wenn man schon mal da arbeitet…aber
eigentlich vermeide ich es ja, wegen jeder Kleinigkeit zum Arzt zu rennen…aber
nun war es leider keine Kleinigkeit mehr.
Dort
angekommen wurde ich erstmal unfreundlich drauf hingewiesen, dass ich doch
bitte zu meinem Hausarzt gehen soll, solange dieser noch auf hat (hatte er aber nach der Arbeit nicht mehr). Da
unterscheidet es sich hier also nicht viel deutschen Krankenhäusern. Ich bekam ein
Armband mit Strichcode und durfte auf eine weitere Behandlung warten.
Ganz überraschend kam
ich dann auch ganz schnell dran. Aber die Krankenhäuser unterscheiden sich optisch von
den Deutschen. Hier gibt es in der Notaufnahme keine einzelnen Räume sondern nur
Vorhänge, die einzelne Räume abgrenzen. Und hinter jedem Vorhang liegt ein mehr
oder weniger schwerwiegender Fall. Ich durfte auf dem Flur sitzen bleiben…also eher weinger schwerwiegend.
Ich erklärte den Arzt, dass ich ganz schlimme Schmerzen im
unteren bis mittleren Rückenbereich habe und fragte ihn, ob es evtl. die Nieren
sein könnten. Er antworte nichts darauf und maß erst mal Blutdruck. Dann sollte
ich noch eine Urinprobe abgeben und dann durfte ich wieder in den Wartebereich
auf dem großen Flur. Hm…komische Ärzte…Reden können die wahrscheinlich nicht.
Also warte ich auf das Ergebnis des Schnelltests. Mir wurde dann ein Zettel in
die Hand gedrückt und ich sollte einem Pfleger folgen. Ich schaute schnell auf
das Blatt und las, dass nichts gefunden wurde.
Als ich meinen Blick
wieder nach oben richtete, war ich in der orthopädischen Abteilung angekommen…das
sollte doch jetzt ein Witz sein??? Ich habe innerlich Schmerzen, die ganz
gewiss nicht von den Muskeln, Knochen oder eingeklemmten Nerven kommen und
werde ohne richtige Untersuchung in die Orthopädie gebracht…Unglaublich!
Dort habe ich dann
noch mit einer Ärztin gesprochen und ihr erklärt, dass es sich um eine andere
Art von Schmerzen handelt. Diese schaute mich dann an und meinte: „Am besten
gebe ich dir ganz starke Schmerzmittel und Antibiotika, das wird schon helfen“.
Schon wieder war ich geschockt. Innerhalb von 2 Wochen bekomme ich 2-mal
Antibiotika. Und wieder wurde ich nicht wirklich untersucht. :-( Da fragt man
sich doch echt wofür die Leute hier Medizin studieren.
Naja, immerhin wollte
sie den Urin noch mal in ein richtiges Labor schicken und ich sollte mir dann
in der nächsten Woche die Werte bei meinem „Hausarzt“ abholen.
Ich schleppte mich also wieder zum Bus. Zum Glück bekam ich
einen schnellen Bus, der nur 30min zu mir braucht. Mit den anderen bräuchte ich
1,5 Stunden. Im Bus angekommen nahm ich erst mal 2 Schmerztabletten...ich
konnte schon nicht mehr Stehen und Sitzen, so schlimm waren die Schmerzen. Mit
geschlossenen Augen machte ich mich auf dem Weg nach Hause. Aber da der Tag
noch nicht zu Ende war und immer für kleine Überraschungen gut ist, konnte mein
Bus schon nach kurzer Zeit nicht mehr weiterfahren… Es gab auf einmal einen
ganz lauten Knall und als ich mich umschaute, sah ich, dass eine der Fensterscheiben
des Busses kaputt war… Jugendliche haben von außen Steine gegen den fahrenden
Bus geschmissen!! Super!!!
Ich saß zum
Glück auf der anderen Seite, denn der Stein ist sogar durch die Scheibe
durchgekommen. Da hätte ich nicht meinen Kopf haben wollen.
Ich
konnte es nicht glauben...so viel Pech an einem Tag…ich wollte nur nach Hause in mein Bett und musste jetzt
über 30min auf einen anderen Bus warten, weil meiner nicht mehr fahren konnte.
Aber immerhin kam ein anderer Bus und ich war nicht ganz in der Pampa verloren.
Irgendwann
erreichte ich dann also doch noch mein Zimmer…ab ins Bett und hoffen, dass die
Tabletten wirken. Der Tag musste ganz schnell vorbei gehen, bevor noch
irgendwas Komisches passieren konnte.


